17.04.26 – Anna Felnhofer

LESUNG

Freitag, 17.04.26
Einlass: 18 Uhr

“Prosopon”
von Anna Felnhofer
(luftschacht Verlag)

Eintritt: 15 Euro (inkl. Brot & Wein)

Ein siebenjähriger Junge liegt nach einem Unfall im Krankenhaus und ringt nach einer letzten Operation um sein Leben. Wie es zu diesem Unfall kommen konnte und welche Rolle sein Vater Jakob und dessen Gesichtsblindheit (Prosopagnosie), die schon einmal für den Tod eines Menschen verantwortlich zeichnete, dabei spielen, ist auch Monate nach dem Vorfall noch Gegenstand behördlicher Ermittlungen. Der Mutter und Ich-Erzählerin bleibt einstweilen nur, sich selbst auf die Suche nach Antworten zu begeben. Aus Bruchstücken versucht sie Jakobs Leben zu rekonstruieren, um zu erfahren, welche Verantwortung er für den Unfall des Jungen trägt und sie stößt dabei auf ein Leben ohne Kontinuität, ohne Verbindlichkeiten, ohne Halt, als immer andere Person.

Nach ihrem viel beachteten und mehrfach ausgezeichneten Debüt Schnittbild legt Anna Felnhofer ihren zweiten Roman Prosopon vor, ein sensibles und vorsichtiges Erkunden, ein poetisches und sprachmächtiges Kreisen um Verlust und Identität.

Die Sprache, bald nüchtern-präzise, bald von bildhafter Wucht, bewegt sich stets auf der Höhe der intellektuellen Anstrengung, die sich mitunter in der Liebe zu Rätseln äußert: „Es empört sich ein Fisch, der gefangen werden will, über die Unzuverlässigkeit der Netze“, lautet eines der Leitmotive des Textes, das sich auf den Helden, aber auch auf die untauglichen Mechanismen der Identitätsfeststellung beziehen lässt – zumal das Recht auf das eigene Gesicht sich heute dank KI als totes erweist.
— Daniela Strigl, Frankfurter Allgemeine Zeitung